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Mehr Mut als Kleider im Gepäck. Frauen reisen im 19. Jahrhundert durch die Welt. Geschichten von weiblicher Entdeckerfreude und Abenteuerlust jenseits aller Konventionen.

(zum Vergrößern bitte anklicken)
Einstelldatum: 01.03.2019
Autor: Julia Keay
Medium: Paperback
Zahl der Medien: 3
Verlag: Frederking & Thaler
Jahr: 2004
Seitenzahl: 268
ISBN: 3894051000
EAN: 9783894051006
Sprache(n): Deutsch
Zustand
1 - Sehr gut
Kommt aus einem Nichtraucherhaushalt

bestsens

Beschreibung

MEHR MUT ALS KLEIDER IM GEPÄCK stellt sieben Frauen des 19. Jahrhunderts, ihre Reisen und deren Beweggründe für diese Reisen vor.

Emily Eden war eine dieser Frauen, die nicht unbedingt meine Sympathie hatten. Emily war das, was man damals wohl "alte Jungfer" nannte. Sie begleitete ihren Bruder George nach Indien und wollte von Vornherein nur zurück nach England. Sie bedauerte sich Jahre lang selbst, bedauerte und hasste die einheimische Bevölkerung und hatte tiefes Mitleid für alle jungen englischen Soldaten, die in diesem Land ausharren mussten. Sie sah immer alles Negativ und ließ dies ihre Umwelt auch ungeniert wissen. Mut habe ich bei ihr nicht entdeckt. Im Grunde blieb ihr nichts anderes übrig, als ihren Bruder und Versorger zu begleiten; sie war wirtschaftlich nicht eigenständig. Warum die Gute nie einen Mann fand (oder ob es da zumindest mal irgendwo amoröse Ansätze gab), blieb komplett im Dunklen, hätte für mich aber dazu beigetragen, die Frau in ihrer Gesamtheit zu verstehen. So blieb ihr Charakter fragmentarisch.

Ernüchternd war die (reale) Geschichte der Anna Leonowens, die die Vorlage zu der beliebten TV-Serie DER KÖNIG VON SIAM lieferte. Sie war zweifelsohne mutig, doch strebte nach der Anerkennung der damaligen höheren Gesellschaft, und genau das war auch ihre Achillesverse.

Kate Marsden reiste quer durch Russland, um die Situation der Lepra-Kranken zu erfassen und sie in Folge zu verbessern. Ihr Engagement war zweifelsohne beispiellos.

Die Errungenschaften der Getrude Bell waren mir bereits aus einem anderen Buch bekannt. Eine hochintelligente, clevere Frau, die mehrere Sprachen sprach und immer in die Kultur der Einheimischen eintauchte, in Sachen Liebe aber so bitter enttäuscht wurde, dass es ihr, schwülstig ausgedrückt, wohl nahezu das Herz brach.

Daisy Bates kümmerte sich um das Schicksal der Auborigines in Australien, lernte deren Sprache und versuchte sie, vor den Weißen in jeder Hinsicht zu beschützen. Sie wusste leider schon lange vor ihrem Tod, dass ihr dies langfristig nicht gelingen würde. Ihr Festhalten an viktorianischen Traditionen, Kleidung und Benehmen mitten in der Wildnis hatte freilich eine sonderbare Note, nicht desto trotz hatte diese Frau in der Tat Mut; ihre Story passt daher hervorragend in diese Geschichtensammlung.

Die Reisebiographie von Alexandra David-Neel ist vor allem eines: schräg. Aber auch aufregend und faszinierend. Diese Frau hätte genauso gut in der jetzigen Gegenwart leben können, denn sie war zweifelsohne eine Identitätssuchende, eine Aussteigerin, ein Mensch, der alles zurückließ, um sich selbst neu zu erfinden - und gewiß eine der ersten europäischen Buddhistinnen. Gemeinsam mit ihrem tibetischen Adoptivsohn schmuggelte sie sich in die Verbotene Stadt und nahm dafür unendliche Strapazen auf sich.

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